Zoo

Zoo

Die Institution Zoo, welche im breiten öffentlichen Bewusstsein immer noch den Charakter eines Erholungsortes hat, an dem anscheinend noch Artenschutz, Bildung, Forschung und dies alles natürlich artgerecht betrieben wird, ist nicht mehr als eine Farce. Während ein Besuch im Zoo meist nur ein paar Stunden dauert, verbringen nichtmenschliche Tiere ihr ganzes Leben an diesem Ort. Zoobetreiber_innen behaupten gerne, dass es „ihren“ nichtmenschlichen Tieren in den Zoos, geschützt vor Hunger und Rivalen, gut gehe. Doch ist „Artgerecht“ in Gefangenschaft überhaupt möglich?
Geschichtlich ist die Tradition, Lebewesen gefangen zu halten, so alt, dass viele die Gefangenschaft gar nicht mehr wahrnehmen wollen. Dabei sind die Leiden der gefangengehaltenen Individuen evident. Das Dasein der nichtmenschlichen Tiere ist auf das bloße biologische Überleben reduziert und nur noch die elementarsten Bedürfnisse, wie Nahrungsaufnahme, werden befriedigt. Ist es Ignoranz, Streben nach Herrschaft über nichtmenschliche Tiere oder Vergnügungssucht, warum Menschen, die einen Zoo oder Zirkus besuchen, die Gefangenhaltung nicht als Unrecht wahrnehmen wollen?

Eingesperrt leben alle Individuen ihr Dasein in Gehegen, die stets nur einen Bruchteil der Größe ihrer natürlichen Umgebung in Freiheit ausmachen. Auch im besten Gehege können ihre angeborenen Bedürfnisse und Verhaltensweisen niemals so wie in Freiheit ausgelebt werden und bleiben somit lebenslang unerfüllt. Die Monotonie des Zooalltags, die häufig falschen klimatischen Bedingungen und die ständige Konfrontation mit fremden Gerüchen, Geräuschen und dem Menschen als natürlichen Feind kommen hinzu. Mehr als 4000 Wale, größtenteils Delphine, aber auch Orcas und Belugas, sind weltweit in kleine Betonbecken gesperrt, um als Flipper-Verschnitte die Kassen Geschäftemacher_innen klingeln zu lassen. Schon beim Fang sterben mindestens 40% der Tiere. Die Überlebenden werden so domestiziert, dass sie auf Pfiff gehorchen und lernen toten Fisch zu essen. Während die Delphine im Meer bis zu 300 Kilometer am Tag zurücklegen, haben sie im Betonknast gerade einmal einige hundert Quadratmeter zur Verfügung. Langeweile herrscht in den sterilen Becken. Statt Felsen, Seetang, Wellenreiten und Sonnenlicht gibt es Kacheln, Chlor, stereotypes Kreisschwimmen und Neonlicht. Außerdem müssen sie die Zuschauer_innen mit immer gleichen, unwürdigen Mätzchen und Sprüngen belustigen oder Kinder in Booten durchs Becken ziehen. Wer nicht auf das Kommando der Trainer_innen gehorcht, wird mit Futterentzug bestraft. Werden Delphine in Freiheit rund 30 Jahre alt, sterben die Tiere in den Delphinarien in wenigen Jahren. Fast alle in Gefangenschaft geboren Babys sterben in den ersten Stunden oder Monaten. Seit den 70er Jahren starben allein im Allwetterzoo (Münster) 10. Bei Hagenbeck (Hamburg) 13, in Nürnberg 20 und in Duisburg 45 Delphine.Als Folge dieser unzureichenden Haltung treten Verhaltensstörungen und gesundheitliche Erkrankungen auf – nicht selten tritt ein frühzeitiger Tod ein. Abnormale Verhaltensweisen, welche bei in Freiheit lebenden nichtmenschlichen Tieren nicht zu beobachten sind, treten in Zoos vielfach auf. Stereotypien, d.h. gleichförmige, andauernde, situationsfremde und wiederholt ausgeführte, nicht zu einer Endhandlung führende Verhaltenssequenzen ohne erkennbare Funktion der Handlung, sind häufig zu beobachten. Beispiele sind ständiges Gehen im Kreis, kontinuierliches Auf- und Ablaufen am Gitter, rhythmisches Hin- und Herbewegen des Kopfes, andauerndes Hin-und Herschaukeln des Körpers, wiederholtes Beißen, Lecken und Saugen an Käfigstangen und Wänden, übertriebene Aggressivität, extreme Passivität, übertriebene Körperpflege, Selbstverstümmelungen, sexuelle Hyperaktivität, Spielen und Essen der eigenen Exkremente und Bettelverhalten sind häufig zu beobachten. All diese Verhaltensweisen sind Symptome für ein schlechtes Wohlbefinden und weisen darauf hin, dass die jeweiligen Individuen psychisch und/oder physisch leiden. Selbst laut H. Würbel (Professor für Tierschutz und Ethnologie, Justus-Liebig-Universität Gießen ) und M. Stauffacher (Zoologe, Nutztierwissenschaftler) sind Stereotypien keine Bewältigungsstrategie in Bezug auf chronischen Haltungsstress, sondern vielmehr die Folge belastender Ereignisse zum Zeitpunkt ihres Entstehens. Laut Anderson und Edney (Handling bei Nutz- und Heimtieren. Gustav Fischer Verlag, Jena, Stuttgart) heißt es, dass, wenn es einem Tier nicht gelingt, seine Belastungssituation z.B. durch Flucht zu bewältigen, so kann das später zu Stereotypien führen. Untersuchungen zeigen, dass Stereotypien durch den Einsatz von Opiatantagonisten reduziert werden können. Das heißt im Umkehrschluss, dass das Auftreten von Stereotypien mit der Freisetzung von analgetisch wirkendem Endorphin gekoppelt ist. Diese Befunde belegen die funktionelle Bedeutung von Stereotypien. Somit können Stereotypien eine signifikant biologische Bedeutung für die nichtmenschlichen Tiere haben und das Auftreten von Stereotypien weist darauf hin, dass sie sich in einem Zustand von chronischem Stress befinden.

Für die Daseinsberechtigung von Zooanlagen wird häufig der Artenschutz als Rechtfertigung herangezogen. Jedoch trugen und tragen die Zoos selbst durch ihren verlustreichen Fang von in der Freiheit lebenden nichtmenschlichen Tieren erheblich zum Artenschwund bei. Viele in Zoos gehaltene Arten sind in ihrem Bestand nicht gefährdet und werden nur gezüchtet, weil sie als besonders beliebt und/oder exotisch gelten. Hingegen werden zahlreiche tatsächlich gefährdete Arten nicht gehalten, weil sie für die Besucher_innen uninteressant sind oder sich schwer züchten lassen. Insgesamt sind in den zoologischen Zuchtprogrammen lediglich 0,00017% aller momentan bekannten Arten vorhanden. Was für ein Lösungsansatz ist es, wenn die Erhaltung einzelner Arten gefördert wird, aber zeitgleich deren natürlicher Lebensraum zerstört wird? Ein tatsächlich sinnvoller Artenschutz muss sich stets auf die Erhaltung des natürlichen Lebensraumes der nichtmenschlichen Tiere beziehen. Die gefangengehaltenen nichtmenschlichen Tiere repräsentieren für Zoos keinen Wert an sich. Als seltene Art angesehen jedoch, gelten sie plötzlich als bedeutsam. Diesem Konzept von Artenschutz gilt es entgegen zu treten, denn es orientiert sich nicht an einem konkreten Lebewesen und dessen Bedürfnissen und Interessen. Zudem sind die nichtmenschlichen Tiere im Zoo zwar auch verschleppte Wildtiere, doch ebenfalls oft Züchtungen, die nur noch wenig mehr als das Äußere mit ihren in Freiheit lebenden Artgenoss_innen gemeinsam haben. Mit gezüchteten Tierbabys können vielleicht Besucher_innen angelockt und Titelseiten von Boulevardblättern gefüllt werden – mehr als das Vorgaukeln von Artenschutz ist das nicht.
Die „Bildung und Aufklärung“ wird gerne als weiterer Legitimationszweck für die „Institution Zoo“ von Zoobetreiber_innen herangezogen. Wenn Mensch sich einmal die folgende Frage ernsthaft stellt, wird schnell klar, dass das nichts mit „Bildung und Aufklärung“ zu tun hat. Wie sollen Kinder während eines Zoobesuches lernen, was es heißt andere fühlende Lebewesen zu respektieren, wenn das Gefangen halten in einem artuntypischen Lebensraum und die Erniedrigung von nichtmenschlichen Tieren für den Zweck der Lagerung, für die Unterhaltung und Zurschaustellung als angeblich richtig, schön und lehrreich vorgelebt wird?
Kinder lernen von Zoos, dass es akzeptabel ist Individuen, welche einer anderen Art angehören, in Gefangenschaft, weit weg von ihrer natürlichen Herkunft, gefangen zu halten. In Langeweile, auf engstem Raum und Einsamkeit wo sie ihrer natürlichen arttypischen Verhaltensweisen beraubt werden. Was ist das für ein fragwürdiger Bildungsauftrag, in der das Entreißen von nichtmenschlichen Tieren aus ihrem angepassten Lebensraum als Arten- und Tierschutz, deklariert wird?
Zu Objekten gemacht, anscheinend ohne Gefühle und die Fähigkeit unter dieser Erniedrigung zu leiden. Gerade Zoodirektor_innen führen eine „dringend notwendige Sensibilisierung der Kinder“ für „Artenschutz, Tierschutz oder für den Klimawandel“ als Daseinsberechtigung oder als Rechtfertigung für ihre Zoos an.
Aber ist die Zurschaustellung und die Erniedrigung eines fühlenden Lebewesens der einzige Weg Kindern Moral-und Wertvorstellungen zu vermitteln? 
Ändern das Einpferchen und die Zurschaustellung von Eisbären etwas am Klimawandel? Statt Respekt vor nichtmenschlichen Tieren lernen Kinder in Zoos, dass es rechtens ist, Tiere zum Vergnügen und zur Unterhaltung der Menschen einzusperren. Sie lernen, dass Menschen über andere Lebewesen herrschen, diese unterdrücken und ausbeuten dürfen. Um Wissen über das natürliche Leben von Wildtieren zu vermitteln sind Bücher, Tierdokumentationen und Unterrichtsfächer viel besser geeignet als eingesperrte, psychisch und physisch degenerierte Lebewesen in Zoos.

Schließlich dient auch „der Nutzen für die Forschung“ den Zoobetreiber_innen als Begründung für die Existenz von Zoos. Jedoch geben die Daten, welche an nichtmenschlichen Tieren in Gefangenschaft erhoben werden, ausschließlich Auskunft über das Leben von Tieren in Gefangenschaftshaltung und sind nicht auf frei lebende nichtmenschliche Tiere in ihren natürlichen Lebensbedingungen übertragbar. Die auf diese Weise gewonnenen Ergebnisse haben außerhalb von Zoos und anderen Gefangenschaftshaltungen keine Bedeutung und können als reiner Selbstzweck angesehen werden. Verhaltensforscher_innen (wie Jane Goodall oder Dian Fossey), welche Tiere in ihren natürlichen ökologischen und sozialen Zusammenhängen beobachten, tragen mit ihrer Arbeit bedeutend mehr Wissen über das Leben von nichtmenschlichen Tieren in ihren natürlichen Lebenswelten zusammen.

Es reicht nicht nur die Haltungsbedingungen einiger vermeintlich besonders schlimmer Zoos zu skandalisieren, sondern es gilt die Haltung von nichtmenschlichen Tieren als solche abzuschaffen. Es sollte das gesamte Denken, dass nichtmenschliche Tiere dem Menschen zur Verfügung stehen und mensch mit ihnen machen kann, was mensch will, angegriffen werden. Die Käfige und Gitter von Zoos sind Sinnbilder für eine Gesellschaftsform, die auf Ausbeutung, Unterdrückung und Unterwerfung aufbaut, in der alles Untertan gemacht wird, was nicht stark genug ist, selbst zu unterwerfen. Wert hat nicht die Natur an sich oder ihre Bewohner_innen, sondern nur das eingesperrte, gefügig gemachte nichtmenschliche Tier. Zum Objekt begieriger Blicke gemacht, fristen unzählige Individuen als Publikumsattraktion ihr Dasein. Doch welcher Art soll es gerecht sein eingesperrt zu sein? Zoos sind ein Inbegriff für die als selbstverständlich geltende Herrschaft über nichtmenschliche Tiere. So gut wieder jeder der ca. 200 Zoos im deutschsprachigem Raum ist ein reines Wirtschaftsunternehmen, in dem die Gewinnoptimierung vor dem Wohlbefinden der Gefangenen steht. Zudem gilt es, die Unterdrückung von nichtmenschlichen Tieren, den Raubbau an Naturräumen und die Ausbeutung von Menschen durch Menschen nicht losgelöst voneinander zu betrachten, handelt es sich doch bei allen um Herrschaftsformen. In Bezug auf die Ausbeutung anderer Arten heißt das ebenfalls anzuprangern, dass es legitim erscheint sie zu Nutz- und Haustieren zu machen, ihr Fleisch zu essen, ihre Milch zu trinken und ihre Häute zu tragen, sie in Versuchslaboren zu töten oder für Zirkusse zu dressieren. Die Haltung von nichtmenschlichen Tieren in Zoos und Tierparks dient ausschließlich zur Befriedigung des menschlichen Vergnügens. Sie werden eingesperrt und zur Schau gestellt. Für die Schließung von Zoos gibt es keine Alternative denn Artgerecht ist nur die Freiheit!


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http://www.veganseite.de/tierbefreiung/zoo
http://www.tierbefreier.de/zoo.html
http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/schmoockm_ws04.pdf